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Bericht der Jahrestagung 2004

Immaculata – die Unbefleckte Empfängnis


In diesem Jahr, am 8. Dezember, jährt sich zum 150. Mal die Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis Mariens durch Papst Pius IX.. Anlässlich dieses Jubiläums widmete der Internationale Mariologische Arbeitskreis Kevelaer seine Jahrestagung vom 28. April bis zum 1. Mai diesem Thema.

Der Glaubensinhalt, der in der Bulle "Ineffabilis Deus" ("Der unbegreifliche Gott") 1854 feierlich verkündet wurde, war zu diesem Zeitpunkt keinesfalls neu oder ausschließlich auf schlichte Frömmigkeit begründet. Spätestens im 13. Jhd. standen der Theologie, mit den präzisen Überlegungen des schottischen Franziskaners Johannes Duns Scotus, die rationalen Mittel zum Verständnis dieses Glaubensinhaltes zur Verfügung. Es war Duns Scotus, wie Dr. Axel Schmidt in seinem ausgezeichnten Vortrag über die Immaculata Conceptio (Empfängnis Mariens) darlegte, der erstmals in einer widerspruchsfreien Weise zu denken vermochte, dass die Muttergottes bereits vor der eigentliche historischen Erlösungstat Christi, seinem Tod am Kreuz, von der Erbsünde frei war. Dem Schotten, der daher auch den Namen des doctor marianus erhalten hat, gelang es, so Schmidt, mittels seines aus der Theologie entwickelten Personbegriffs, die besondere Stellung Marias unter den Menschen hinsichtlich ihrer Erbsündenfreiheit zu begründen. Bereits bei Ihrer Empfängnis durch ihre Mutter Anna war sie von dem Makel frei, der seit dem Fall der Stammeltern des Menschengeschlechts, Adam und Eva, auf alle Menschen übergeht. Es war Gottes würdig und sozusagen seiner Liebe angemessen, seine Mutter im voraus von diesem Makel zu bewahren.
Mit der historischen Situation der Dogmatisierung und der Gestalt des „Immaculata-Papstes“ Pius IX., beschäftigte sich der Vortrag des Augsburger Kirchenhistoriker Prof. Dr. Petar Vrankic. Giovanni Conte Mastai-Ferreti, so der Name des späteren Papstes, war, entgegen der heute häufig vertretenen Auffassung, ein Repräsentant eines liberalen Katholizismus. Er war, so Vrankic, weniger ein spekulativer Theologe, als ein Mann des Herzens und des Glaubens. Zuerst Erzbischof von Spoleto, dann Bischof von Imola, stellte er sich als Papst ganz der Muttergottes anheim. Der feierlichen Verkündigung des Dogmas, der kritischen Situation des Kirchenstaates, der ein Zusammentreffen des Weltepiskopats erschwerte, Rechnung tragend, ging eine Konsultation der führenden Theologen und eine schriftliche Befragung aller Bischöfe voraus. Von den 603 befragten Bischöfen stimmten 546 für die Definition. Vier Jahre nach der Verkündigung des Dogmas kam es mit der Erscheinung von Lourdes zu einer quasi himmlischen Bestätigung des Dogmas.
In praktischer Hinsicht machte Prof. Dr. Hubert Gindert aus Kaufering die Unbefleckte Empfängnis zum Leitstern der Neuevangelisierung. Wie Papst Pius IX. setzte er an den entscheidenden Stellen seiner Ausführungen zur Neuevangelisierung seine Hoffnung auf die Mutter des Herrn.
Auf einen aktuellen Zusammenhang führte auch der letzte Vortrag von Prof. Dr. Manfred Hauke aus Lugano. Er vertiefte die für die Ökumene mit der orthodoxen Kirche von Papst Johannes Paul II., z. B. in der Enzyklika Redemptoris Mater aus dem Jahre 1987, vorgetragenen Hinweise auf die griechischen Väter und ihre Aussagen über die besonderere Sündenlosigkeit Marias. Hauke führte aus, dass sich in der frühen östlichen Tradition zwar nicht die theologischen Präzisierungen des mittelalterlichen Westens finden lassen, jedoch, besonders bei Theoteknos von Livias (zwischen 550-650) oder Andreas von Kreta (660-732), unmissverständliche Vorwegnahmen der außerordentliche Reinheit und Sündenlosigkeit der Mutter des Herrn. Implizit ist dieser Glaubensinhalt, worauf z. B. Söll und Kardinal Newman hingewiesen haben, bereits in der Eva-Maria Parallele, die schon bei Justin dem Märtyrer († um 165) und Irenäus von Lyon († um 202) erstmals angesprochen ist, enthalten. Maria ist eine neue Schöpfung. Durch die Bewahrung vor der Erbsünde, ist sie ihrem Sohn in besonderer Weise zur Seite gestellt.
Das Ende der Tagung des Mariologischen Arbeitskreises fiel wie jedes Jahr mit der feierlichen Eröffnung der Wallfahrt in Kevelaer zusammen. Der neue Weihbischof in der Diözese Münster, Tebartz-van Elst, selbst aus der direkten Nachbarschaft von Kevelaer stammend, öffnete die Pilgerpforte. In seiner Predigt verglich er den Kappellenplatz in Kevelaer mit einer Schwelle. Maria ist die Tür zum Herzen der Menschen und das Tor zu Gott.


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